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Nutrias im Unterspreewald

Der, die oder das Nutria?

Fotos / Text: Holger Nitsche

Nutria (Myocastor coypus)

Nutria (Myocastor coypus) im winterlichen Unterspreewald

Der Winter ist für mich die bevorzugte Zeit um dem Spreewald einen Besuch abzustatten - die Touristenströme sind versiegt und es liegt eine große Stille über dem Landstrich. Jetzt bestehen die größten Chancen Tiere wie Füchse, Raubwürger aber auch Fischotter vor' s Fernglas bzw. Objektiv zu bekommen. Nutrias waren mir bis vor wenigen Wochen noch nicht nachdrücklich aufgefallen, ich wusste nur das einige von ihnen den Spreewald bevölkern.
Plötzlich aber waren sie da: an Gräben, Überschwemmungsflächen, auf Weiden. Bis zu zwei Dutzend sah ich am Tag, zumeist in kleinen Familienverbänden von 3-4 Tieren. Ich begann mich mit diesen Nagern zu beschäftigen, stieß in der Literatur allerdings oftmals auf widersprüchliche Angaben.

Nutria (Myocastor coypus)

Nutrias sind durch ihren viel längeren Schwanz gut vom Biber unterscheidbar

Das Einzeltier wird als die oder das Nutria bezeichnet (andere Namen u. a.: Sumpfbiber, Biberratte, Coypu), wohingegen der Nutria den Pelz des Tieres umschreibt. Wegen dieses (damals) begehrten Stückes, wurden die Nutrias auch aus ihrer südamerikanischen Heimat im 19. Jahrhundert nach Europa importiert und in Farmen gehalten.
Das alles lohnte sich bis vor etwa 15 Jahren, als der Marktpreis für die Felle zusammenbrach und im Zuge dessen viele Zuchtbetriebe aufgaben. Nachdem bis zu diesem Zeitpunkt immer wieder Einzeltiere aus den Farmen entwischten, wurden nun verstärkt ganze Zuchten in die Freiheit entlassen. Übrigens war auch das Fleisch der Tiere, zumindest in der DDR, in einigen ausgesuchten Verkaufsstellen erhältlich.

Nutria beim Schwimmen

Nutrias können sehr gut schwimmen und bis zu 5 Minuten tauchen

Nutrias liegen in der Größe mit einer Körperlänge von 40-60 cm zwischen Bisamratte und Biber. Nocheinmal 30-45 cm entfallen auf den drehrunden kaum behaarten Schwanz. Sie können sehr gut schwimmen und bis zu 5 Minuten tauchen. Das Fell der Tiere variiert zwischen dunkelbrauner und fahlgelber Färbung. Auffallend sind die orangeroten Schneidezähne, die auch bei geschlossenem Maul noch sichtbar sind. Das Gewicht ausgewachsener Tiere liegt meist zwischen 7-9 kg. Bei bis zu drei Würfen jährlich, kommen jeweils durchschnittlich 5-6 Jungtiere zur Welt. Nutrias graben, bevorzugt in Dammbereichen, bis zu 6 m lange Erdröhren, legen aber auch oberirdische Schilfnester an.

Nutria (Myocastor coypus)

Wasserpflanzen, Schilf und Seggensprossen bilden die Hauptnahrung der Nutrias

Obwohl sie empfindlich auf Kälte reagieren, strenge Winter führen zu großen Bestandseinbrüchen, halten Nutrias keinen Winterschlaf. Lebensraum sind Seen, Teiche, Flüsse und Bäche mit reicher Ufervegetation. Wasserpflanzen, Schilf und Seggensprossen bilden die Hauptnahrung, gebietsweise werden aber auch Schnecken und Muscheln verspeist. Auch Feldfrüchte, wie Rüben, stehen auf der Speisekarte des großen Nagers, was ihn bei Landwirten weniger beliebt macht.
Den meisten Nutrias begegnete ich außerhalb von spärlich bewachsenen Entwässerungsgräben, wo sie auch bei mäßigem Frost wie die Kaninchen grasten. Die von mir beobachtete Fluchtdistanz betrug 3 bis über 50 m. Sie flüchteten, wenn überhaupt, immer in' s nasse Element, schwammen davon oder tauchten kurz weg, um bald darauf regungslos, und im Wasser gut getarnt (nur Augen und Schnauzenspitze waren sichtbar), zu warten, bis das Unheil vorüber war.

Nutria (Myocastor coypus)

Nutria beim Putzen

Einige, besonders wenn man sich ihnen sehr langsam näherte, ließen sich dagegen gar nicht stören und gewährten Einblick in den täglichen Tagesablauf, der hauptsächlich aus Fressen aber auch gelegentlichem Schwimmen und zwischenzeitlichem Putzen bestand. Höckerschwäne zählen dabei nicht unbedingt zu ihren Bewunderern - meistens ignorierten sich beide Arten, gelegentlich ernteten Nutrias aber auch Schnabelhiebe bzw. wurde aktiv von einem Schwan verfolgt. Selten konnte ich so hautnah eine Tierart erleben! Wie auch immer man zu den Tieren stehen mag, sie scheinen eine ökologische Nische in unseren Breiten gefunden zu haben, während sie gleichzeitig in den suptropischen und gemäßigten Zonen in ihrer südamerikanischen Heimat lokal ausgerottet wurden. Es gibt Hinweise darauf, dass Nutrias kalte Winter zunehmend besser überstehen, fluktuieren werden die Freilandpopulationen aber auch weiterhin. Zu klären bleibt auch noch, in wie weit sie ein Störungspotential für den Biber darstellen, die kleineren Bisamratten werden aus den Einflußbereichen von Nutrias erwiesenermaßen verdrängt.

Nutria (Myocastor coypus) mit Jungtier

Nutria mit Jungtier





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