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Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Eines der größten Schutzgebiete Deutschlands

Fotos: Holger Nitsche + Holger Müller (Schafe) / Text: Holger Nitsche

In der Schorfheide

UNESCO-Schutz
Als eines von weltweit über 300 von der UNESCO anerkannten Biosphärenreservaten, besteht das Großschutzgebiet Schorfheide-Chorin bereits seit 1990.
Jedes einzelne dieser Biosphärenreservate stellt einen einzigartigen Landschaftsraum dar, der in das internationale Forschungsprogramm MAB (Der Mensch und die Biosphäre) integriert ist. Ziel ist es, modellhaft zu erproben und zu zeigen, dass ein Miteinander von Mensch und Natur beiden Seiten zu Gute kommen kann. Der schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen orientiert sich dabei am Nachhaltigkeitsgedanken.

Grimnitzsee

Grimnitzsee

Eiszeitlandschaft und Klima-Mix
Die Einzigartigkeit der Region zwischen oberer Havel, unterer Oder, südlicher Uckermark und nördlichem Barnim beruht vor allem auf seiner eiszeitlichen Prägung vor ungefähr 15000 Jahren. Grund- und Endmoränen, Sander und Urstromtäler haben der Landschaft ihren unverwechselbaren Stempel aufgedrückt. Das Geländeniveau bewegt sich zwischen 139 m über NN am Blocksberg bei Alt Künkendorf und 2 m über NN an der Oder.
Im Übergangsbereich zwischen atlantisch geprägtem Klima Nordwestdeutschlands und kontinental geprägten Klimaten Polens liegend, verfügt das Schutzgebiet über eine Vielzahl unterschiedlicher Biotope. So sind Im Biosphärenreservat große naturnahe Buchenwälder ebenso wie Trockenrasengesellschaften zu finden.
Genauso vielfältig wie die Pflanzen- ist auch die Tierwelt. Rund 150 Vogelarten brüten im Gebiet, darunter Schreiadler, Schwarzstorch und eine große Anzahl von Kranichen. Fischotter und Biber haben hier ebenso ein Rückzugsgebiet wie Europäische Sumpfschildkröte, Bitterling und fast 600 Großschmetterlingsarten.

Rummelsberg

Schafweide auf dem Rummelsberg

Dünn Besiedelt
Heute leben im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin etwa 28 Menschen pro km². Nie sonderlich dicht besiedelt, entstand im Verlaufe vieler Jahrhunderte eine einmalige, reich gegliederte Kulturlandschaft. Große vielgestaltige Wälder ,Seen, Fließgewässer, Moore und eine reich strukturierte Feldlandschaft bieten einen einzigartigen natürlichen Lebensraum.
Viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten, wie Feldhamster, Wechselkröte oder auch die Wiesenkuhschelle, verdanken ihr Fußfassen im 1291 km² großen Reservat der Nutzungstätigkeit des Menschen. Dieser hat die Landschaft zum einen gestaltet und erhalten, zum Teil aber auch übernutzt und zerstört. Ein Maß für diese Umwelt- und Naturverträglichkeit des menschlichen Wirtschaftens war und ist dabei immer auch die Zu- oder Abnahme des Artenreichtums an Pflanzen und Tieren.

Herbst

Herbst

Schutzzonen
Rund 80% der Gesamtfläche gilt als Entwicklungszone. Hier steht nachhaltige, umweltverträgliche Landnutzung im Vordergrund. In die Entwicklungszone sind bewusst solche Bereiche mit integriert worden, die in der Vergangenheit schwer zu leiden hatten, z.B. durch hohe Wildbestände geschädigte Kiefernmonokulturen der Schorfheide und das meliorierte Grünland der Niedermoorstandorte des Welse-Bruchs. Auf diesen Sanierungsflächen sollen naturnahe Bedingungen wieder hergestellt werden, sicher eine Aufgabe für viele Jahrzehnte. Die Entwicklungszone ist flächendeckend als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Gut 20% der Reservatsfläche ist Naturschutzgebieten vorbehalten, darunter knapp 3% Kernzone. Auf insgesamt 3648 Hektar soll sich die Natur ohne Einfluss des Menschen entwickeln. Dieser Bereich ist für den Besucherverkehr gesperrt.
Die die Kernzonen umgebenden Pflegezonen, haben zum einen eine Pufferfunktion für die am strengsten geschützten Teile des Biosphärenreservats, zum anderen unterliegen sie einer gewissen Nutzung, die jedoch von den Vorgaben des Biotop- und Artenschutzes bestimmt wird.


Naturwacht
Für die Einhaltung der Schutzbestimmungen, die Besucherlenkung, die Erfassung der Artenzusammensetzung von Pflanzen und Tieren u.v.m. ist die Naturwacht zuständig. Die Vorreiterrolle Brandenburgs auf diesem Gebiet, wird in jüngster Vergangenheit leider durch einen spürbaren Personalabbau relativiert.

Offene Zukunft
Es bleibt zu hoffen, dass die anspruchsvollen Ziele trotz alledem umgesetzt werden und gerade auch die einheimische Bevölkerung diesem Prozess positive Seiten abgewinnt. Der Modellregionansatz "Biosphärenreservat" scheint eines der wenigen probaten Mittel zu sein, um den Bewohnern ein geregeltes Einkommen in ihrem Lebensumfeld zu ermöglichen (Land- und Forstwirtschaft, Handwerk, Tourismus) und eine weitere Landflucht zu verhindern. Nur mit Menschen die eine regionale Identität ausbilden, die mit der Landschaft verwachsenen sind, kann das Konzept funktionieren.





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