Startseite


Landschaftswandel

Eine lange Geschichte

Fotos/Text: Holger Müller

Die Intensivierung der Landwirtschaft führte zu einer unübersehbaren Umwandlung des Agrarlandes von einer abwechslungsreichen Kulturlandschaft in eine eintönige Produktionslandschaft. Dieser Weg wurde sowohl im Westen als auch im Osten Deutschlands beschritten. Somit ist auch das Land Brandenburg hiervon betroffen. Allerdings steht Brandenburg hinsichtlich der Bewahrung seines Naturreichtums im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr gut da.

Heute gibt es in Brandenburg richtungsweisende Aktivitäten im Natur- und Landschaftsschutz, die Vorbildwirkung für andere Bundesländer erreicht haben. Davon wird am Schluß dieses Artikels noch die Rede sein.

Die Landschaftsentwicklung ist kein einfaches Thema denn eine Einschätzung der landwirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte fällt je nach Blickwinkel sehr widersprüchlich aus. Zur Verdeutlichung will ich hier einen kleine Kostprobe des Wirrwars dieser komplexen Materie geben.

Acker

Durch die Technisierung der Landwirtschaft wurden die Arbeitsbedingungen verbessert. Die früher schwere körperliche Arbeit konnte durch Maschineneinsatz deutlich erleichtert werden.

Gleichzeitig ist damit ein starker Rückgang der Beschäftigungszahlen in der Landwirtschaft verbunden, der soziale Probleme im ländlichen Raum hervorruft.

Eine Beschäftigungsdichte von nur einem Erwerbstätigen auf 100ha Agrarfläche ist auf günstigen Standorten bald erreicht.

Große Investitionen der Landwirte sind erforderlich, um mit dieser Entwicklung schrittzuhalten. Gesetze, Verordnungen und Preispolitik lassen den Landwirtschaftsbetrieben in vieler Hinsicht wenig Handlungsspielraum.

Die Landwirtschaft ist trotzdem hoch subventioniert. Ohne Förderung ist wettbewerbsfähige landwirtschaftliche Produktion inzwischen in Deutschland undenkbar.

Acker

Die deutsche Bevölkerung kann auf ein konstantes Überangebot preiswerter Nahrungsmittel aus dem In- und Ausland zurückgreifen. Nach diversen Nahrungsmittelskandalen ist andererseits das Vertrauen in die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Produkten aus intensiver Landwirtschaft gesunken.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln ist zwar sehr genau geregelt, die verwendeten Mengen sind trotzdem beachtlich. Die gesundheitlichen Risiken des intensiven Chemieeinsatzes sind ein kontrovers diskutiertes Thema geworden. Für das Land Brandenburg wurde durch eine Studie des Landesumweltamtes im Zeitraum 1998/1999 ein jährlicher Absatz des Handels von mehr als 1000 Tonnen Pflanzenschutzmitteln festgestellt. In vielen Bundesländern erfolgt der Schutzmitteleinsatz intensiver als in Brandenburg.

Acker Die heutigen Agrarflächen sind durch eine starke Ausräumung und Homogenisierung der Landschaft gekennzeichnet.

Besonders bei der Großstadtbevölkerung wuchs jedoch in den letzten Jahr das Bedürfnis nach Urlaub und Erholung in der Natur stark an.

Die monotonen landwirtschaftlichen Produktionslandschaften werden von Erholungssuchenden jedoch gemieden. Der Sommer auf dem Lande hat in solchen Gebieten viel von seinem Reiz verloren.

Für die Tier- und Pflanzenwelt hat die Industrialisierung der Landwirtschaft weitreichende Folgen.

Durch großflächigen Anbau, Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Intensive Bearbeitung, Eingriffe in den Wasserhaushalt und Ausräumung der Landschaft wurde vielen Arten die Lebensgrundlage entzogen. Die Nährstoffe aus der Düngung und intensiven Tierhaltung gelangen auch in die Umgebung. Dadurch ist trotz einer Verbesserung durch Bau kommunaler Kläranlagen weiterhin ein erhöhter Nährstoffeintrag in Gewässern festzustellen.

Acker

Es gibt in Deutschland inzwischen nur noch wenige nährstoffarme Klarwasserseen. An Nährstoffarmut angepaßte Arten füllen ganze Seiten in den Listen der vom Aussterben bedrohten Tiere und Pflanzen.
Andererseits sind durch die heutige Landwirtschaft viele Formen der vorindustriellen Landnutzung verschwunden, die einen rücksichtslosen Raubbau an der Natur darstellten. Erinnert sei hier an die extreme Entwaldung und Bodenübernutzung während des Mittelalters.

Feldsoll

In Brandenburg wird mit einem für ganz Deutschland beispielhaften Netz von Großschutzgebieten versucht, eine abwechslungsreiche Landschaft zu gestalten, in der Erholung, Arbeit, ländliche Entwicklung und Naturerhaltung möglich sind. Fast ein Drittel der Landesfläche Brandenburgs sind zu Großschutzgebieten geworden.

Ziel ist ein neuer Naturschutz, der nicht museal konserviert und verhindert, sondern neue Entwicklungen im ländlichen Raum ermöglicht. Ein ehrgeiziges Projekt und eine harte Nuß, aber ein lohnendes Ziel - angesichts der gegenwärtigen Probleme auf dem Lande auch ein dringend notwendiges.

Mittlerweile konnten in Brandenburg bereits einige Wunden der Vergangenheit geheilt werden. Das Gelingen dieses Vorhabens wird jedoch stark von der deutschen und der europäischen Agrarpolitik abhängen. Bisher begünstigte das Förderungssystem eine Intensivierung oder vollständige Aufgabe (Flächenstilllegung) der Landwirtschaft. Für das Beschreiten anderer Wege gab es für die Landwirte nicht genügend wirtschaftliche Anreize.
Positiv wirkt sich der allmähliche Aufschwung im Biologischen Landbau aus.

Informationen im Internet:
www.grossschutzgebiete.brandenburg.de
www.naturwacht.de





Alle Fotos und Texte sind urheberrechtlich geschützt.
Jegliche Verwendung bedarf der Zustimmung des Text- bzw. Bildautors.
Beiträge Christian Blumenstein: © Christian Blumenstein - Potsdam
E-Mail: blumenstein.foto@gmx.de
Beiträge Günter Blutke: © Dr. Günter Blutke - Berlin
E-Mail: Guenter.Blutke@t-online.de
Beiträge Günter Hübner: © Günter Hübner - Rathenow
E-Mail: neunihue@web.de
Beiträge Holger Müller: © Holger Müller - Berlin
E-Mail: mueller@maerkische-naturfotos.de
Beiträge Holger Nitsche: © Holger Nitsche - Templin
E-Mail: Capraibex@gmx.de
Beiträge Michael Dieke: © Michael Dieke - Eberswalde
E-Mail: diekemi@web.de
Beiträge Michael Feierabend: © Michael Feierabend - Berlin
E-Mail: f@uwfoto-feierabend.de